Sortiertechnik für Weintrauben

Mit neuesten Technologien den Premiumbereich bei der Traubenverwendung ausbauen

Die Weingärtner von Cleebronn & Güglingen testeten bei der Weinlese 2011 erstmalig ein neues Sortier-Verfahren aus der Fraunhofer Forschung. Die Testreihen für die Weinlese 2012 werden derzeit geplant. Das Fraunhofer IOSB in Karlsruhe ist seit vielen Jahren renommierter Spezialist, wenn es um die automatische Sortierung von Schüttgütern geht. Als neueste Anwendung entwickelten die Forscher nun ein Verfahren, mit welchem sich die Weintrauben optimal verwerten lassen.

Optische Sortieranlage
© FhG IOSB
Optsche Sortieranlage
© FhG IOSB
Sortierung

Das neue Sortiermodul des Fraunhofer IOSB wurde im Rahmen eines Werksversuchs im Jahr 2011 als Komponente in eine Abbeer-Anlage bei der Winzerei integriert. Nachdem die Lese in der Kellerei eingetroffen war, wurde sie wie üblich sofort zur Weiterverarbeitung in die Abbeer-Maschine befördert, die die Trauben von den Stängeln trennt und die Beeren auf einem Förderband vereinzelt. Auf diesem Förderband passierten die Trauben das Sortiermodul des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB. Dort wird der Materialstrom mit einer Zeilenkamera erfasst und das Bild in Millisekunden von einem Rechner ausgewertet. Die angeschlossene Steuerung für eine Batterie hydraulischer Düsen veranlasst das Ausblasen des erkannten Fremdmaterials durch einen gezielten Luftstoß. Was das System mit »schlecht« bewerten soll, wird vorher eingelernt: Essigbeeren, Schimmel, Stängel, Gerüstteile, Kämme, Blättchen, Insekten und falscher Reifegrad sind übliche Auswurfkriterien.

Bei diesem Einlernvorgang trainiert das System jeweils die Form und die Farbe, wobei überwiegend nach der Farbe sortiert wird. Im Ergebnis konnten deutliche Unterschiede im Öchsle-Grad zwischen „sortierten“ und „nicht sortieren“ Fraktionen gemessen werden.

Im Herbst 2012 ist als nächster Schritt geplant umfangreiche Sortierversuche durchzuführen, die von Untersuchungen in anderen Spektralbereichen begleitet werden um auf der Basis der spektralen Information die Ergebnisse zukünftig noch weiter zu verbessern. Ziel ist es, nicht nur Fremd- und Schlechtteile auszusortieren, sondern auch die gesamte Fraktion in zwei unterschiedliche „Öchsle-Fraktionen“ (hoch/niedrig) zu trennen.

Bereits bei den Versuchen in 2011 konnten Durchsätze von ca. 5 t/h erreicht werden. Zukünftig wird eine Menge von ca. 8-9 t/h erwartet. Der Vorteil für die Winzer ist eine weitere Ertrags- und Qualitätssteigerung bei gleichzeitigem Einsatz von moderner, automatisierter Erntetechnik. Die Weinstöcke lassen sich so vollständig abernten und erst in der Vorverarbeitung wird die Ernte durchmustert und getrennt. So lassen sich noch ergiebigere Spitzenweine entwickeln und die Premiumchargen ausbauen. Die kurze Zeitspanne der Lese wird durch die Hightech-Unterstützung optimal ausgenutzt.